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Perfekt

 

Warum kanns nicht perfekt sein
So wie in einem Liebeslied

 

Ich schaue dich verzweifelt an, ich meine – wir sitzen hier, bekommen kein Wort heraus, ich hatte alles geplant, und dennoch.
Wir schweigen.
Es ist ein verdammt peinliches Schweigen, meiner und deinerseits.
Wieder frage ich mich, wie betrunken die Autoren mancher Liebeslieder sein gewesen müssten.

 

Oder so wie im Film sein
Wo der Boy vor dem Mädchen kniet

 

„Pah“, ich trete leicht gegen den Glastisch, du bemerkst es nicht.
Deine Augen kleben förmlich an der Tapete, ist die denn so toll?
Blumenmuster. Dreckiges Blumenmuster.
Im Fernsehen läuft eine ziemlich schnulzige Romanze, dieser Ken-Artige Typ kniet gerade vor einem Barbie-Mädchen, Heiratsantrag.
Natürlich sagt sie „ja“, ist doch in solchen Filmen normal.
Es stimmt alles, das Timing, die Szene mit dem Champagner.
Alles.

 

Doch so ist es niemals in Wirklichkeit

 

Du seufzt, dein Kopf lehnt zurück. Die stille ist immer noch da, sie erdrückt einen fast.
Ich beschließe aufzustehen, damit sich alles ein wenig lockert. Meine Mittel sind sehr stark begrenzt, es gibt keinen Wein – oder Champagner. Da du ja sowieso keinen Alkohol trinkst.
Meine Hand umschließt den Griff des Kühlschrankes, mal schauen was er so zu bieten hat.
Käse – Milch – Wasser – und abgelaufene Essiggurken, resignierend hole ich die Flasche Wasser aus dem kargen Kühlschrank. Zwei alte Gläser stelle ich auf die Ablage, in Liebesfilmen sind es immer Cognac Gläser, oder irgendwelche anderen teuren Sachen.
Aber ein normaler, sterblicher Mensch wie ich, kann sich so was nicht leisten.
Mein Fazit, so wie in diesen Filmen, ist es nie in der Realität.
Die ist so trocken wie ein 3-Tage-Altes Brötchen.
Ich nehme die beiden Gläser in die Hand und balanciere sie durch meine kleine Wohnung.
So vorsichtig wie möglich versuche ich sie auf dem wackeligen Tisch abzustellen.
Vergebens.
Ein Glas voll Wasser kippt um, und wohin?
Natürlich auf deine Hose, ich könnte mich schlagen für meine Dusseligkeit.
Du nuschelst irgendwas von „Ist ja nur Wasser.“
In mir steigt eine Mischung aus Wut und Traurigkeit auf, ich würde dir gerne so mehr bieten.
 
Warum kanns nicht perfekt sein
Schau, der Himmel ist sternenklar

 

Dein schlanker Körper bewegt sich auf einmal, du erhebst dein Haupt und verlässt den Raum.
Leicht verdutzt starre ich dir nach, deine Handbewegung zeigt mir, ich soll dir Folgen.
Wir stehen nun auf dem kleinen Balkon, vor uns ein eigentlich wüster Garten, aber die Nacht lässt nichts andeuten von dem Chaos.
Ich schaue nach oben, der Himmel ist wie immer Bewölkt, oder es sind diese Abgase.
Wenn es Perfekt wäre, würde der Himmel jetzt voller Sterne sein.
Es würden Sternschnuppen fliegen, die Sektkorken würden nur so knallen.
Auch der Balkon wäre um einiges Größer, es würden Pflanzen herum stehen, und Teelichter erhellen die Dunkelheit.
Doch es flackert nur eine Energie-Spar-Lampe, und das auch sehr spärlich.
Man hört das typische brummen der Autos, auch wenn diese gerade die Luft aufwühlen mit ihren Geräuschen, zwischen uns regt sich nichts.
Ich wage einen Blick zu dir, seltsamerweise lächelst du.
Wenn ich ein Genie wäre, mit etwas Hirn, dann würde ich jetzt eine schmuse CD einlegen, aber dies bezüglich gestaltet sich etwas schwierig.
Ich habe keine CD, die halbwegs Romantisch ist.
Vielleicht könnte ja dennoch „Eisregen“ helfen, ich meine, ist doch auch Romantik Pur.
Ich huste leicht, der Gedanke macht mir selber auch Angst.

 

Warum kanns nicht perfekt sein
Ist das denn schon zu viel verlangt

 

Ich drehe mich um, gehe wieder in die Wohnung. Es wird kalt draußen, okay – meine Bude ist auch nicht die Kuschel-Höhle, hier herrschen gefühlte 10 Grad, vielleicht etwas mehr.
Du kommst durch die Tür, diese Frustration, die sich im Laufe des Abends angestaut hat, lasse ich nun an dem Tisch aus.
Ich höre nur ein „Mach den Tisch nicht kaputt.“, es klingt leicht höhnisch. Oder so ähnlich.
Mein Geduldsfaden reißt allmählich, ich breche in einem Fluss von Selbstmitleid aus.
Ich liebe dich.
Sonst würde ich das Tam-Tam nicht machen, ich mache alles was ich kann.
Ich versuche mit meinem Budget etwas schönes zu zaubern.
Aber alles was ich hinbekomme, ist Müll.
Auf einmal fängst du an von deinem Ex zuplaudern, ich hebe meine Hand, öffne meinen Mund und versuche dich darauf hinzuweisen, dass es vielleicht nicht der beste Zeitpunkt ist, von diesem Mistkerl zu reden.
Ich zügele mich mit meinen Worten, soweit es geht.
Mein Blick wandert aus dem Fenster, alles was ich sehe ich die leblose Betonwand des anderen Hauses, auf dieser Wand stehen einige Niveaulose Bemerkungen, ein paar habe ich selber daran geschmiert.
D+J, in ein Herz eingekreist.
Wie kindisch.
Und dieses kindische gehabe kommt ausgerechnet von mir.
Plötzlich spüre ich deine warme Hand auf meiner Schulter, dein Atem fühlt sich so wunderbar wohltuend an.
Deine Hände gleiten an meiner Seite herunter, sie legen sich auf meine Hüfte.
Ich spür deinen Körper ganz nah an meinem.
Und auf einmal, wie ein Gedankenblitz, geht es durch meinen Kopf.
Doch bevor ich diesen Gehirnstrom ausweiten konnte, ergreifst du die Initiative.
Deine Arme drehen mich direkt zu dir, Gesicht an Gesicht.
Das Atem von uns beiden ist ein wenig hastig, mir wird plötzlich total heiß.
Deine Lippen legen sich auf meine, und mir wird klar:
Es war die ganze Zeit schon Perfekt, dieser Moment, die kleine Geste von dir, nur ich habe es nicht bemerkt.
Meine Hände wandern deinen Rücken herunter, wir vereinigen uns in einen langen, innigen Kuss.
Dieser Abend, der so verkorkst begannen hat, würde vielleicht einer der perfektesten Abende unserer Beziehung sein.

 

 

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dan..ke
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